Burg-Gräfenrode
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Die Sage von der Liesel

nacherzählt von W. Rausch

Vor vielen hundert Jahren lebte auf der Oberburg in Burg-Gr√§fenrode ein Ritter mit Namen "Kunz von Carben". Nach dem schon vor langer Zeit seine Frau an einer unbekannten Krankheit gestorben war, lebte er mit seinem einzigen Sohn Hanno und seinem alten Diener S√∂lmann zu- r√ľckgezogen und getrennt vom anderen Gesinde im Hauptgeb√§ude der Burg. Verbittert √ľber den fr√ľhen Tot seiner Frau war Ritter Kunz zu einem harten, ja ungerechten Mann geworden, welcher auf genaue und p√ľnktliche Leistung des Zehnten der Bauern achtete, auch wenn die Ernte schlecht ausfiel und den Familien mitunter kaum das Lebensminimum verblieb. Konnte die neue Aussaat nicht aus eigenen Mitteln aufgebracht werden, verlangte der Ritter harten Zins f√ľr dasselbe und brachte so manchen Bauern an den Rand des Ruins.

In das einsame Leben auf der Burg kam erst etwas Abwechslung, als Kunz die sch√∂ne Frau Liesel, verwitwete Gattin seines wegen Raubritterei hingerichteten Bruders Wolf in die Oberburg aufnahm. Zart an Gestalt und mit freundlichem Wesen, gewann Liesel bald das Vertrauen von Hanno. Auch der alte Diener S√∂lmann hatte die junge Witwe bald in sein Herz geschlossen. Er, der mit den harten Ma√ünahmen seines Herren nie einverstanden war, fand in ihr eine Verb√ľndete, die Leiden der armen Bauern zu mildern. Liesel selbst hatte bei ihrem Mann Wolf viele Dinge gesehen die ihr Unrecht erschienen, und hatte sich geschworen, nie wie- der solchen Ungerechtigkeiten zuzuschauen. So versuchte sie wenigstens einen Teil der Not zu mildern. Sie versorgte so manche Familie mit Lebensmitteln und half, mit Beisteuerung von Gulden in den Familienetat, f√ľr die M√∂glichkeit zu √ľberleben. Sie brachte Heilkr√§uter und half bei der Pflege von Kranken.

Doch auch Ritter Kunz bekam Kunde von dem hilfreichen Wirken seiner Schw√§gerin. Er lie√ü Liesel zu sich kommen und untersagte ihr dieses Tun. So war es ihr nur noch m√∂glich, mit Hilfe des Pfarrers, welcher Hanno ausbildete, Hilfeleistungen zu unternehmen. Nach jedem Unterricht nahm dieser kleine Mengen Geldes, Lebensmittel und Medikamente mit sich. Auch versuchte Liese! zusammen mit Hanno und S√∂lmann, bei Aus- ritten oder Kirchg√§ngen, die Wege so zu legen, dass sie bei einem Bauern oder Tagel√∂hner vorbeikamen. Doch die Schergen des Ritters Kunz wussten Bericht zu erstatten, und w√ľtend √ľber den Ungehorsam lies er Liesel von Knechten festnehmen und vorf√ľhren. Es waren harte Worte, mit denen er ihr ihre Missachtung seiner Befehle vorwarf .Als aber Liesel nicht gewillt war zu bereuen, und kein Abweichen von ihrem Weg versprach, war es mit der Fassung des Ritters vorbei. Wie im Wahn, unf√§hig sich seines Hasses zu erwehren, lie√ü er sie abf√ľhren und in das Turmverlies werfen. Als w√§re er nicht mehr er selbst, schrie Kunz wie vom Fieber gepackt hinterher, dass er sie ertr√§nken lassen werde. Die Knechte mussten Wasser in das Verlies f√ľllen und unerbittlich stieg es, von Stunde zu Stunde.

Der alte S√∂lmann hatte Hanno vom Geschehen benachrichtigt, der noch sp√§t in der Nacht in das Dorf eilte, um den Pfarrer zu Hilfe zu holen. Als beide bei der Burg ankamen, wurde Ihnen der Eintritt verwehrt und Hanno gegriffen. Pfarrer Rechtberg lief zur√ľck zur Kirche und l√§utete die gro√üe Glocke. In kurzer Zeit war die Kirche und der Platz davor gef√ľllt. Mit z√ľndenden Worten schilderte er den Leuten die Freveltat des Ritters. Die Freiheit ihrer Liese' fordernd, zog alles vor das Burgtor. Bewaffnete Knechte zerstreuten in kurzer Zeit den Aufruhr und warfen den Pfarrer in den gleichen Raum, in dem schon Hanno gefangen sa√ü. Unterdessen stieg das Wasser im Turm. Schauernd sich nach Erl√∂sung sehnend, stand Liesel auf einem erh√∂hten Mauervorsprung, w√§hrend immer neues Wasser nachlief. S√∂lmann hatte ihr kurz vorher einen Korb mit Lebensmitteln herabgelassen. Wie froh war sie, den Alten oben zu wissen. "Oh Gott, lass alles schnell vorbeigehen" .

Den Ritter hatte man auf sein Lager betten m√ľssen. Er w√§lzte sich in tiefem Fieberwahn. Stunden waren vergangen. Das Wasser drang immer noch durch die Decken√∂ffnung, doch es stieg nicht mehr. Der hohe Wasserdruck hatte die Mauerfugen aufgebrochen und das Wasser floss durch viele Rattenl√∂cher und in den vor dem Turm befindlichen Burggraben ab. Zufall oder war es Gottes Hilfe?

Die Zeit verrann, und hier unten waren Tag und Nacht gleich. Drei Tage musste Liese! in dem Verließ, von dem Diener heimlich mit Lebensmitteln versorgt, verbringen, als der Ritter Kunz im Fieber verstarb. Der Hass hatte ihn aufgezehrt. Sölmann befreite Hanno und den Pfarrer. Hanno, als junger Burgherr, befahl, Liesel sofort zu befreien. Nach einigen Tagen der Pflege konnte das Dorf die Genesung seiner Gönnerin feiern. Noch viele Jahre lebte Liesel auf der Oberburg und Hanno war ein gerechter Herr .

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